Montag, 7. September 2015

Ziegen Trekking

Liebes Coaching Tagebuch!

Neulich habe ich mich für ein Ziegen Trekking angemeldet. Ich war neugierig und gespannt wie es denn sein wird mit einer Herde freilaufender Ziegen zu wandern. Bleibt wirklich die ganze Herde zusammen, werden wir die Ziegen verlieren?

Das waren meine ersten Gedanken zu diesem außergewöhnlichen Abenteuer. Ort und Uhrzeit waren klar definiert, auch bezüglich Kleiderordnung wurden wir im Vorfeld informiert. Pünktlich sind alle Wanderfreudigen beim Treffpunkt erschienen. Lustigerweise waren es nur Frauen, die dieses Erlebnis wagen sollten. Unser „Wanderführer“ hat sich kurz vorgestellt und uns ein paar Grundregeln erklärt. Wir sollten als Gruppe immer zusammenbleiben und uns zu Beginn nur auf uns und die Ziegen konzentrieren. Wir sollten das still und bewusst machen, small talk war nicht angesagt. Eine klare Anordnung bzw. Instruktion wie ich meine.

Wir warteten gemeinsam auf die Ziegen. Diese liefen auf uns zu. Ich muss ehrlich gestehen es wird einem schon etwas mulmig, wenn diese Tiere mit diesen doch beachtlichen Hörnern auf dich zulaufen und ein wenig Chaos in unsere Gruppe brachten. Wir sollten konsequent unseres Weges gehen und durften nicht ausweichen. Gesagt, getan.
Ich ging flott und selbstbewusst des Weges. Ließ mich nicht abdrängen, hielt tatsächlich meine Klappe. Dadurch kam ich in einen sogenannten „flow“ und ganz schnell herrschte Struktur in der gemischten Wanderherde. Ich habe es sehr genossen, im Einklang mit der Natur gemeinsam mit den Ziegen zu wandern. Ich begriff wie wichtig Struktur ist. Ohne Struktur, ohne konkreten Auftrag wären wir als Wandergruppe niemals aus dem anfänglichen Chaos heraus gekommen.
Struktur ist für Menschen in Führungspositionen das um und auf. Ob AbteilungsleiterInnen, GeschäftsführerInnen, LehrerInnen, PsychotherapeutInnen oder Mütter, jeder der führt braucht eine ganz klare Struktur. Ähnlich dieser Ziegenherde.

Nach einer gewissen Zeit konnte ich mich auf die Tiere konzentrieren. Wer war die Leitziege? Welche Aufgabe hatte sie inne? Wer waren die „Soldaten“ und wer war das „Schlusslicht“, das aufpasste niemanden zu verlieren. Die Aufgaben waren klar definiert und vergeben und jede einzelne Ziege hielt sich an ihre Rolle. Anders als bei uns Menschen. Wie oft sind Rollen nicht eindeutig definiert. Wie häufig verlieren wir diese Rolle aus den Augen, wollen einmal Leitziege und dann auch wieder Schlusslicht sein. Dieses wechseln ohne Struktur führt zu Chaos. Zu Chaos in uns und zu Chaos in Unternehmen, in der Familie, in der Betreuung. Nach ca. 30 Minuten merkte ich Unruhe in der Ziegenherde.

Was war passiert? Ich bemerkte, dass wir 8 Frauen nicht mehr zusammen waren. Es haben sich kleine Grüppchen gebildet und eine einzelne Frau wurde von der Ziegenherde, wie soll ich sagen, isoliert. Es war dieser Dame nicht mehr möglich mit dem Rest der Frauen zu wandern. Was wollten uns die Ziegen damit sagen? War sie eine Ausgestoßene oder doch das beschützende Schlusslicht? Darüber werde ich noch oft nachdenken. Mir fallen einige Situationen in meinem Leben ein, wo genau das passierte. Mir fällt ein Beispiel aus meiner Volksschulzeit ein. Da gab es das eine Mädchen das immer als letzte ging, das niemals wirklich Anschluss fand. Ähnlich wie die Ziegen waren wir als Kinder ähnlich „brutal“. Ich bin nachdenklich, etwas traurig. 

Wie oft habe ich als Trainerin ein solches Gruppengefüge übersehen? Mit Sicherheit das ein oder andere Mal. Schuldgefühle machen sich breit. Ein tief bewegendes Erlebnis! Könnte ich ähnliche Situationen in Zukunft verhindern und wie? Durch das Einbeziehen einer dritten Person, eines Tieres, eröffnen sich neue wertvolle Aspekte:
  • Das Therapietier spielt in diesem Gefüge mit, übernimmt in Form einer Symbolbeziehung zur Klientin/zum Klienten eine wichtige Funktion, aber auch oft Last.
  • Der Coach kommt dabei aus der Übertragungsbeziehung frei, wird ein Beobachter der Beziehungsszene KlientIn – Tier und kann gestaltend und moderierend eingreifen. Das schafft großartige neue Spielräume zur Veränderung!!!
  • Der Coach kann die Gegenübertragung des Tieres beobachten!!!!! Wie reagiert ein wertfreier Dritter, das Tier, auf meine(n) KlientIn, auf die Gruppe? 
  • Dies ist eine einzigartige Chance für Teambuilding, Managementseminare, Persönlichkeitsentwicklung und Führungskräfte Coaching!
Das macht die Arbeit mit Tieren im Coaching so einzigartig und wundervoll. Ich bin am richtigen Weg, darf Menschen dienen und das ist großartig!

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